.

.

Meudt – eine informative Tongrube I

Bei einer Fahrt durch den Westerwald kann man gelegentlich einen Blick in eine Tongrube werfen, wenn man weis, wohin man schauen muss. Die meisten Tagebaue sind von öffentlichen Straßen aus nicht zu sehen. Einen guten Überblick gewinnt man an der L315 zwischen Meudt und Berod. Der gute Blick wird dabei durch eine informative Tafel ergänzt, die vor wenigen Jahren vom Betreiber in Zusammenarbeit mit dem Tonbergbaumuseum Westerwald dort installiert wurde. Diese wurde nun ‚dupliziert‘ und auf der gegenüberliegenden, dem Ort Zehnhausen zugewandten Seite des Tagebaues Meudt aufgestellt.

Der interessierte Betrachter erfährt sowohl etwas über den aktuellen Betrieb des Tagebaus als auch über den Rohstoff Ton.

Tontagebau Meudt
Infotafel am Rand der Grube Meudt

Für die Tongrube Meudt, betrieben von der Stephan Schmidt KG, Dornburg-Langendernbach, liegt ein genehmigter Rahmenbetriebsplan des zuständigen Bergamtes über 95 ha vor. Die Tongewinnung folgt den hierin festgelegten Vorgaben und sichert die Förderung bis über das Jahr 2060 hinaus. Die vor dem Abbau durchgeführten Explorationsarbeiten weisen ein über 80 Meter mächtiges Tonlager mit bis zu 20 hochwertigen Tonsorten nach. Unter dem Deckgebirge (Abraum), das die Lagerstätte in wechselnder Mächtigkeit überdeckt, folgen mehr als 12 Meter dicke Lagen feinkörniger rotbrennender und marmorierter Tone. Bis in die tiefsten Lagen folgen hochwertige hellbrennende keramische Tone. Um die Tone fördern zu können, wird der Abraum planmäßig entfernt und direkt auf standsichern Innenkippen rückverfüllt oder für die Rekultivierung der ausgetonten Bereiche der Grube TGA Tongrube Anton, die auf der anderen Seite der L315 liegt, verwendet.

Besonderheiten der Tongrube ‚Meudt‘

Der innerbetriebliche Transport der Tone erfolgt auf speziellen Betonplattenstraßen. Für die Lagerung der Tone außerhalb der Grube wird eine nur für diesen Zweck angelegte Untertunnelung der Landstraße L315 benutzt, um den öffentlichen Verkehr nicht zu beeinträchtigen. Die Unterführung verbindet die Tongrube Meudt mit den Anlagen der Grube TGA. Der dort vorhandene Gleisanschluss wird für den Versand weiterverarbeiteter Tone genutzt. Die direkte Verbindung beider Betriebe entlastet die L315 von den Tontransporten. Damit wird eine Verschmutzung der öffentlichen Straße durch Ton-LKWs und gleichzeitig eine Gefährdung des Durchgangsverkehrs vermieden.

Verbindung zwischen dem Tagebau Meudt und der TGA Tongrube Anton als Unterführung der L315

Was ist Ton?

Tone sind Sedimentgesteine und bestehen hauptsächlich aus Tonteilchen, die kleiner als 2µm (0,002 mm) sind. Dazu kommen weitere Glimmerminerale, feinkörniger Quarz, Feldspäte und Feldspatreste, verschiedene Eisenminerale, die die Färbung der Tone verursachen, wenn sie vorhanden sind. Die Westerwälder Tone wurden im Tertiär (65-1 Millionen Jahre v.u.Z.) während der Oligozän-Miozän-Stufe (35-20 Millionen Jahre v.u.Z.) abgelagert Zeit in zahlreichen Süßwasserseen und -becken abgelagert. Das Tonbecken Bereich Meudt-Berod enthält im Vergleich zu den vielen anderen im Westerwald die bekannten feinkörnigen und sehr plastischen gelben Tone. Diese zeigen nach dem Brand ihre charakteristische rote Farbe.

Ausschnitt der Infotafel

Tonminerale und Tone

Tonminerale sind Phyllosilikate und haben eine ausgeprägte, blattartige Schichtstruktur (griech.: phyllos = Blatt). Westerwälder Tone und natürlich auch in der Grube Meudt gewonnenen Tone, bestehen zu einem hohen Anteil aus sogenannten zwei- und dreischichtigen Tonmineralen, Quarz und anderen Mineralen. Menge und Typ der Tonminerale bestimmen die Eigenschaften der Tone. Durch Zugabe von Wasser, das an und zwischen den Schichten der Tonminerale angelagert wird, lassen sich die Tonplättchen durch leichten Druck gegeneinander verschieben und zeigen so ihre besondere Plastizität (Verformbarkeit), die sie so wertvoll für die keramische Industrie macht. Der verformte Ton behält auch nach dem Trocknen und dem Brennen seine Form (‚Gedächtnis des Tones‘).

Die Hauptmenge der gewonnen Tone wird in die Bau-Grobkeramik (Dachziegel, Klinker) und in die Fliesenindustrie geliefert.

Abraum als Rohstoffquelle

Der die Tone überlagernde Abraum, wird er nach dem Abtrag nicht unmittelbar wieder zur Auffüllung anderer Grubenbereiche verwendet, kann je nach ‚Gehalt‘ aufbereitet werden. Oft enthält er erhebliche Anteile an Basalt, eingebettet in Basalttuff. Da lohnt es sich, die soliden Basaltbrocken zu separieren, etwa mit einem großen Trommelsieb. Denn der hier vorkommende Basalt, von faustgroßen Stücken bis hin zu meterdicken Brocken, eignet sich sehr gut zur Herstellung z.B. von Split und andere Körnungen für den Straßenbau. Dieser wird üblicherweise und kontinuierlich in den großen Basaltbrüchen und -werken im Westerwald gewonnen (siehe diesbezüglichen Blog-Beitrag). Aber auch der sporadisch gewinnbare Basalt aus dem Abraum einer Tongrube ist als Rohstoff und nicht nur als Füllmaterial nutzbar.

Fraktionierte Basaltbrocken aus dem Abraum der Grube Meudt
Gut gerundete Basaltbomben in Basalttuff, vor dem Aussieben (Aufnahme: F.-B.Zeis)

Abraum, Basaltbomben, Grube Meudt, Infotafel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Tonbergbau in Social Media